Wer heute ein altes Super Mario Bros. startet, braucht eigentlich keine Erklärung. Ein paar Sekunden nach dem Einschalten läuft Mario nach rechts, irgendwo steht ein Fragezeichenblock, und spätestens beim ersten Gumba ist klar, was zu tun ist. Wenn man sich dagegen die frühen Auftritte der Figur anschaut, wirkt die Geschichte plötzlich etwas weniger eindeutig. Mario begann nämlich nicht mit einem eigenen Spiel und auch nicht mit dem berühmten roten Mützen-Look, den fast jeder kennt.
Die erste Begegnung fand 1981 statt. Damals hieß der kleine Mann noch Jumpman und war die Spielfigur in Donkey Kong. Genau hier liegt die Antwort auf eine Frage, die im Zusammenhang mit Mario erstaunlich oft für Verwirrung sorgt: Das erste Spiel, in dem Mario überhaupt auftauchte, war Donkey Kong. Das erste Spiel mit „Mario“ im Titel kam dagegen erst 1983. Und das erste klassische Super Mario Bros. erschien wiederum 1985.
1981 begann alles mit Donkey Kong
Wenn ich die frühen Mario-Spiele jemandem erklären soll, fange ich deshalb nicht bei der NES-Konsole an, sondern bei der Spielhalle. Donkey Kong wurde 1981 als Arcade-Spiel veröffentlicht und war Shigeru Miyamotos erstes großes Spielprojekt. Nintendo selbst führt 1981 als Jahr auf, in dem das Unternehmen Donkey Kong entwickelte und als Münzautomat auf den Markt brachte.
Die Ausgangslage war dabei ziemlich weit von dem entfernt, was man später mit dem Pilzkönigreich verbindet. Die Figur, die der Spieler steuert, muss Leitern hinaufsteigen und Hindernissen ausweichen, während sie versucht, eine gefangene Frau namens Pauline zu retten. Der Gegner ist Donkey Kong. Mario ist hier also noch kein Prinz-rettender Abenteurer, sondern im Grunde ein kompakter Arcade-Held mit sehr überschaubarem Bewegungsrepertoire.
Interessant finde ich gerade diese technische Einfachheit. Mario bestand damals aus winzigen Pixeln. Nintendo nennt für die ursprüngliche Darstellung eine Größe von 16 × 16 Pixeln. Einige Merkmale, die später wie bewusstes Charakterdesign aussehen, waren zunächst schlicht praktische Lösungen: Die weiße Farbe der Handschuhe half beispielsweise dabei, Bewegungen der Figur auf dem Bildschirm besser erkennbar zu machen.
Auch sein Beruf war damals ein anderer. In den frühen Informationen zu Donkey Kong wird Jumpman als Zimmermann beschrieben. Der Klempner, der später durch Rohre springt und Pilze einsammelt, kam erst nach und nach als festes Bild der Figur hinzu. Der Name „Mario“ setzte sich laut Nintendo im Umfeld von Nintendo of America durch und bezog sich auf Mario Segale, den damaligen Vermieter des Unternehmens.
Warum Donkey Kong trotzdem als erstes Mario-Spiel zählt
Hier lohnt sich eine kleine Unterscheidung, denn genau daran hängen viele falsche Jahreszahlen. Fragt jemand: „Wann kam das erste Mario-Spiel heraus?“, kann er eigentlich drei verschiedene Dinge meinen. Das erste Spiel mit Mario als Figur war Donkey Kong. Das erste Spiel, dessen Titel ausdrücklich Mario nennt, war Mario Bros.. Und das erste Spiel der späteren Super Mario Bros.-Reihe war 1985 erhältlich.
| Spiel | Jahr | Warum es für Marios Geschichte wichtig ist |
|---|---|---|
| Donkey Kong | 1981 | Erster Auftritt der Figur, damals als Jumpman |
| Mario Bros. | 1983 | Erstes Spiel mit Mario im Titel und deutlicher Schritt zur eigenständigen Figur |
| Super Mario Bros. | 1985 | Beginn der klassischen Super-Mario-Plattformspielreihe |
Diese drei Jahreszahlen sollte man deshalb nicht gegeneinander ausspielen. Sie markieren schlicht verschiedene Stationen. Nintendo selbst bezeichnet Donkey Kong als Marios ersten Auftritt und führt Super Mario Bros. für den 13. September 1985 in seiner offiziellen Mario-Zeitleiste.
1983 bekam Mario sein erstes eigenes Spiel
Der nächste entscheidende Schritt war Mario Bros.. Das Arcade-Spiel erschien 1983 und stellte Mario stärker als eigenständige Figur ins Zentrum. Sein Bruder Luigi kam hinzu, und aus dem einfachen Klettern und Ausweichen von Donkey Kong wurde ein anderes Spielprinzip: Die beiden Brüder bewegen sich durch einen Bildschirm mit mehreren Ebenen und müssen Gegner von unten treffen, um sie anschließend auszuschalten.
Was heute wie eine kleine Vorstufe zu einem großen Franchise wirkt, war spielerisch durchaus wichtig. In späteren Interviews erklärte Miyamoto, wie sich die zentrale Mechanik entwickelte. Zunächst konnte Mario Gegner von unten treffen, was allerdings zu einfach war. Danach kam die Idee hinzu, dass der Gegner zunächst umgedreht und anschließend von oben erledigt werden musste. Die Schildkröten-artigen Gegner ergaben sich aus genau diesem Prinzip.
Das erklärt auch, warum Mario Bros. trotz seines Alters nicht einfach wie ein bedeutungsloser Prototyp wirkt. Viele Grundgedanken der späteren Spiele sind bereits da: präzise Sprünge, Gegner mit klar verständlichem Verhalten, mehrere Ebenen und vor allem die Idee, dass Bewegung selbst der Kern des Spiels ist.
Für mich ist außerdem interessant, dass Mario zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so aussieht, wie man ihn aus den späteren Spielen kennt. Schnurrbart, Mütze und Latzhose waren unter anderem praktische Antworten auf die technischen Grenzen der damaligen Hardware. Ein Mund war bei der geringen Auflösung kaum sinnvoll darstellbar, der Schnurrbart konnte die Gesichtszüge trotzdem lesbarer machen. Die Kleidung half wiederum dabei, die Bewegungen der Figur zu erkennen.
Der eigentliche Wendepunkt kam mit dem Famicom
1983 brachte Nintendo in Japan das Family Computer, kurz Famicom, heraus. Und damit änderte sich für Mario etwas Grundlegendes: Seine Abenteuer mussten nicht mehr nur in kurzen Runden vor einem Arcade-Automaten funktionieren. Ein Spiel konnte zu Hause gespielt werden, wiederholt, ohne für jeden neuen Versuch eine Münze einzuwerfen.
Genau in diesem Umfeld entstand Super Mario Bros.. Das Spiel erschien in Japan am 13. September 1985. Nintendo führt dieses Datum in seiner offiziellen Historie als den Start von Super Mario Bros. auf.
Wer das Spiel heute zum ersten Mal spielt, unterschätzt leicht, wie anders es damals wirken musste. Der Bildschirm blieb nicht einfach bei einem einzelnen Arcade-Schauplatz stehen. Mario bewegte sich kontinuierlich durch eine seitlich scrollende Welt. Nintendo-Entwickler erinnerten sich später genau an diesen Eindruck: Das Spiel fühlte sich an, als würde sich die Welt während des Laufens immer weiter öffnen.
Auch die Entwicklung zeigt, dass das Spiel nicht einfach aus einer fertigen Mario-Formel zusammengesetzt wurde. Shigeru Miyamoto berichtete später, dass bereits im Dezember 1984 mit einem Test gearbeitet wurde, bei dem ein deutlich größerer Mario springen sollte. Das Team probierte zunächst grundlegende Bewegungen aus und entwickelte daraus Schritt für Schritt das Spielgefühl, das wir heute mit der Reihe verbinden.
Super Mario Bros. war nicht einfach nur Mario Bros. mit mehr Leveln
Dieser Unterschied wird manchmal unterschätzt. Mario Bros. und Super Mario Bros. haben zwar denselben Helden, aber sie verfolgen ziemlich unterschiedliche Ideen. Beim Arcade-Spiel steht der einzelne Bildschirm im Mittelpunkt. Man beobachtet Gegner, wartet auf eine Gelegenheit und arbeitet sich durch die Ebenen. Super Mario Bros. dagegen baut eine ganze Reise auf.
Das beginnt schon mit der Bewegungsfreiheit. Mario läuft, springt, beschleunigt und nutzt die Umgebung. Dazu kommen Plattformen, Abgründe, Röhren, versteckte Bereiche, Münzen und Power-ups. Der Spieler lernt die Regeln nicht über lange Erklärungen, sondern während des Laufens. Ein Fragezeichenblock muss nicht beschriftet werden, damit man irgendwann neugierig dagegen springt.
Genau diese Art des Designs macht das Spiel bis heute angenehm direkt. Man wird nicht mit einer großen Hintergrundgeschichte an den Start geschickt. Man bekommt einen Bildschirm, ein paar Hindernisse und die Möglichkeit zu springen. Schon nach wenigen Minuten versteht man mehr über die Spielwelt, als es eine längere Einführung hätte vermitteln können.
Und wann wurde Mario wirklich zum bekannten Nintendo-Helden?
Das Interessante ist, dass der Erfolg nicht überall sofort so selbstverständlich war, wie man es aus heutiger Sicht vermuten könnte. In einem Gespräch über die frühen Jahre erinnerte sich Nintendo-Entwickler Takashi Tezuka daran, dass der Famicom zunächst Zeit brauchte, um eine breitere Akzeptanz zu erreichen. Auch Super Mario Bros. verbreitete sich nicht über Nacht auf die Art, wie ein großer heutiger Spiele-Release über das Internet bekannt wird.
In den USA kam das Nintendo Entertainment System später auf den Markt, und Super Mario Bros. wurde dort zu einem entscheidenden Teil der Konsolengeschichte. Nintendo datiert den US-Start des NES auf 1985 und beschreibt die Konsole als großen Erfolg.
Damit war aus der Figur, die 1981 noch über Leitern vor Donkey Kong davonlief, innerhalb weniger Jahre ein Held einer eigenständigen Plattformspielwelt geworden. Betrachtet man die Entwicklung chronologisch, wirkt dieser Übergang fast erstaunlich schnell: 1981 Jumpman, 1983 Mario Bros., 1985 Super Mario Bros. Dazwischen liegen nur vier Jahre, aber spielerisch liegen Welten.
Warum die Jahreszahl 1985 so oft als Antwort genannt wird
Wenn jemand im Alltag sagt: „Das erste Mario-Spiel kam 1985 heraus“, ist damit fast immer Super Mario Bros. gemeint. Das ist verständlich, weil dieses Spiel die Reihe geprägt hat, die wir heute unter „Super Mario“ verstehen. Streng genommen ist die Aussage aber zu ungenau.
Mario selbst ist älter. Sein erster Auftritt war Donkey Kong von 1981. Sein erstes eigenes Spiel mit seinem Namen folgte 1983. Erst Super Mario Bros. machte aus diesen Vorarbeiten die Plattformspielreihe, die über Jahrzehnte weitergeführt wurde. Die offizielle Nintendo-Historie listet danach unter anderem Super Mario Bros. 2 von 1988, Super Mario Bros. 3 von 1990, Super Mario World von 1991 und später Super Mario 64 von 1996.
Wenn ich also nur eine Jahreszahl nennen dürfte, würde ich zuerst nachfragen, was genau mit „erstes Mario-Spiel“ gemeint ist. Für Marios Debüt lautet die Antwort 1981. Für das erste Spiel mit Mario im Namen ist es 1983. Und für den Beginn der Super Mario Bros.-Reihe sprechen wir über 1985.
Vielleicht liegt gerade darin der Charme dieser frühen Geschichte. Mario wurde nicht an einem einzigen Tag als fertige Ikone erfunden. Die Figur entstand aus technischen Einschränkungen, aus Experimenten mit Bewegung und aus Spielen, die noch gar nicht wussten, wie groß diese kleine Figur einmal werden würde. Wer heute durch das erste Donkey Kong läuft und Jumpman über die Leitern klettern sieht, erkennt deshalb weniger den fertigen Mario als vielmehr dessen ersten Entwurf. Und genau deshalb gehört 1981 ganz an den Anfang seiner Geschichte.
Grafiken und Fotos: Magnific.com
Ein leerer Rucksack, kaum Ressourcen und irgendwo lauert die nächste Gefahr – perfekte Voraussetzungen für einen gelungenen Spieleabend. Die größte Begeisterung gilt offenen Spielwelten, cleveren Überlebensstrategien und Abenteuern ohne festen Fahrplan.